Auf ein Wort

 

Als Sensei ist für mich ein wichtiger Aspekt der Kampfkunst, dass sie für den Menschen da ist und individuell funktionieren muss. Unabhängig von Alter und Geschlecht, sowie von persönlichen Fähigkeiten. Die Aufgabe des Trainings muss sein, Menschen, die sich verteidigen wollen, in die Lage dazu zu versetzen.


Wenn z.B. Jiu- Jitsu als Gymnastik in der Neuzeit in Japan wiederbelebt wurde, weil die kriegerische Notwendigkeit dazu nicht mehr gegeben war, so sind heute nochmals andere Anforderungen vorhanden, die eine regelmäßige Überprüfung notwendig machen. Der gesundheitliche Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wurde in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts vor allem spektakuläre Dinge geübt und an die Grenzen des Machbaren gegangen, so nehmen wir heutzutage wahr, dass sich die Lebenswirklichkeit der Trainierenden verändert hat. Es ist gesellschaftlich nicht angesehen, z.B. mit einem blauen Auge oder einer „zerschlagenen“ Hand ins Büro zu kommen. Sinn und Nutzen von Bruchtests mit dem Kopf werden mehr denn je angezweifelt.


Trotzdem lehne ich es ab „etwas völlig Neues“ zu erschaffen. In Anbetracht der bereits vorhandenen Techniken und Stile halte ich das für überflüssig und schöpfe dafür aus dem, was bereits fundiert erprobt und von hervorragenden Lehrern übermittelt wurde.


Natürlich wird Kampfkunst nie für jeden geeignet sein. Aber das gilt für alle Sportarten und anderen Bereiche des Lebens auch. Wenn jemand am Unterricht teilnehmen möchte, so ist das in der Regel unkompliziert machbar. Es wäre schlimm, wenn ein interessierter Mensch schon besondere Fähigkeiten mitbringen müsste um hier lernen zu können. Die persönlichen Grenzen werden respektiert, verschieben sich aber auch im Laufe der Zeit durch das Üben.

Die Grundvoraussetzung, die tatsächlich unabdingbar nötig ist, ist Beharrlichkeit.

 


Gabriele Freyberg, nach 38 „Matten- Jahren“
Wiesbaden, Mai 2015