03.10.2009 Tag der offenen Tür - 3 Jahre NIBUKAI

In sechs Stunden durch die Welt der Kampfkünste

Samstag, 3. Oktober 2009, 11:00 Uhr. Die Sonne scheint auf die große Mattenfläche im Kampfkunstdojo NIBUKAI. Die ersten Mitglieder kommen, die begleitenden Verwandten und Freunde sehen sich, anfangs noch etwas schüchtern um, das Buffet füllt sich mit Leckereien, es wuselt in allen Räumen. Die Kinder beginnen mit einer Meditation um sich auf den Tag vorzubereiten, wärmen sich auf.

Punkt 12:00 Uhr fällt der Startschuss: Geschäftsführerin Gabriele Freyberg begrüßt die Gäste und die Mitglieder und stellt erst einmal das Team vor:

Großmeister Ben Stumpf, 10. Dan, er ist DER Lehrer des NIBUKAI. Seinem großen Erfahrungsschatz ist es zu verdanken, dass das Angebot in dieser Schule so umfassend und abwechslungsreich  ist und heute in der vollen Breite  geboten werden kann. Seine Frau Meister Andrea Stumpf, 4. Dan, die sich vor allem den Kindern und deren Training widmet, aber auch bei den Großen mit Rat und Tat zur Seite steht.  Dr. Christian Freyberg, 1. Dan, dessen Schwerpunkt das Schwertfechten ist und der eher im Hintergrund wirkt. Gabriele Freyberg, 2. Dan, neben der Geschäftsleitung ist sie in allen Stilen ausgebildet und vermittelt dieses Wissen sehr engagiert an die Mitglieder. Mit diesen zwei Familien Stumpf und Freyberg begann vor drei Jahren das NIBUKAI, erst als eine Idee von dem, was weitläufig als ein ideales Dojo, eine Kampfkunstschule verstanden wird.

Meister Gerd Bruchhaus, 2. Dan, ist seit ca. 1 ½ Jahren dabei und ergänzt das Angebot um die Kunst des japanischen Bogenschießens. Des Weiteren ist Michael Schwarz, 2. Dan heute dabei, der sich nicht nur als Gastprüfer einsetzt.

Nach der Vorstellung aber stehen die im Mittelpunkt, die das Bild des NIBUKAI besonders prägen: die Mitglieder aller Altersklassen mit ihrem hart erarbeiteten Können und unglaublichen Engagement.

Die Kinder beginnen den Tag mit Tang Soo Do Karate, zeigen Selbstverteidigung aus dem Sen Ki Do und beschließen die erste Runde mit spektakulären Bruchtests.

Ein Kind zerschlägt mit dem Ellenbogen und großem Körpereinsatz gleich zwei Bretter auf einmal. Dann wird es still, denn zwei weitere Kinder, u.a. Dennis Hertel, 9 Jahre, haben sich eine besondere Herausforderung gesucht: Sie zertreten je ein Brett, nachdem sie über 4 bzw. 6 auf dem Boden hockende Kinder springen. Mit großer Konzentration und weitem Anlauf gelingt beiden diese Übung, Applaus, Lob und Anerkennung ist ihnen von allen Seiten gewiss.

Ohne Pause geht das Programm weiter mit zwei Vertretern des Bereichs Kenjitsu. Mit Holzschwertern wird von Susanne Pristaff und Axel Krautworst, beide 4. Kyu, eindrucksvoll demonstriert, was als die Basis den modernen Kendo gilt: die Kriegskunst des Schwertes. Geschmeidige Bewegungen und im Ernstfall tödliche Schwertstreiche sitzen auf den Punkt genau. Dieser gekonnte Umgang mit der Waffe wird vom Publikum gebührend bestaunt.

Unmittelbar daran kommen die Kickboxer auf die Matten. Dynamische Kicks, Faust- Ellenbogen- und Knietechniken aus dem Muay Tai geben einen Eindruck in die Ausbildung, die diese Mitglieder genossen haben. Jedem Zuschauer ist schnell klar, warum dieser Bereich besonders zur Konditionsförderung dient. Aber auch, warum im NIBUKAI 50% Frauen in der Kickboxgruppe sind. Die Kämpfe, die anschließend gezeigt werden, sind nämlich auch gemischt. Durch vollständige Schutzausrüstung gesichert und rücksichtsvolles Miteinander lernt hier jeder von jedem. Das häufige Wechseln des Kampfpartners macht das Sparring zu einem intensiven Element, in dem jeder an seinen individuellen Zielen arbeitet.

Die nächste große Vorführung wird von Michael Schwarz bestritten, der einen ausführlichen Einblick in die Welt des klassischen Karate gibt. Dank freiwilliger Helfer verdeutlicht er Trainingstechniken, um dann über die Formen zur praktischen Anwendung zu gelangen. Ganz sicher sehen einige Kampfkünstler die abstrakten Abläufe einer Karate – Kata seitdem mit neuen Augen.

Nun endlich bekommen die Zuschauer und Akteure eine kleine Verschnaufpause. Das Buffet wird gestürmt, Mitglieder nach Details ihres Trainings befragt, inzwischen eingetroffene Gäste noch mal persönlich begrüßt. Aber es gibt keine Mittagspause, sondern lediglich den kurzen Umbau für den nächsten Stil.

Kyudo, das japanische Langbogenschießen, bedarf besonderer Sicherungen. Schließlich ist der Ursprung dieser so friedlich anmutenden Kunst der Einsatz auf dem Kriegsfeld gewesen. Die Durchschlagskraft eines Bogens treibt den Pfeil problemlos durch die Rüstung des Gegners. Meister Gerd Bruchhaus leitet diese Darbietung mit interessantem Hintergrundwissen ein und gibt dann die Ziele frei. Die Kyudokas zeigen eine Prüfungsform, deren Regeln sehr streng befolgt werden müssen, Meister Bruchhaus selbst präsentiert zwei weitere Schießformen. Was hier mit großer Präzision aus Sicherheitsgründen auf zwei Meter Abstand gezeigt wird, so stellt er klar, findet sonst auf 28 Meter statt. Bis man allerdings dahin gelangt und das 36 cm breite Ziel trifft, braucht es eine ganze Weile.

Die Sicherungen werden wieder entfernt, die Gelegenheit genutzt, nachzufragen oder sich auszutauschen.

Tomas Eckardt, 1. Dan, und Frank Schnitzler, 1. Kyu, Schüler des NIBUKAI zeigen gleich darauf sehr anschaulich die Unterschiede der verschiedenen Stile, die in dieser Schule gelehrt werden. Tomas Eckardt erklärt die harten Tang Soo Do und die weichen Sen Ki Do und Hap Ki Do Techniken, so dass sie auch für ungeschulte Zuschauer nachvollziehbar werden.

Das ganze rundet sich ab, indem Frank Schnitzler die dazugehörende Form mit Bruchtest läuft und mit verschiedenen Techniken vier Bretter durchschlägt.

Genug der Erklärungen, jetzt kommt nur noch Aktion! Christian König, 1. Dan zeigt mit Benedikt Freyberg, 1. Kyu, die Vielfalt der Hap Ki Do Techniken. Gleich darauf präsentieren Gabriele Freyberg, 2. Dan und Rita Förster, 3. Kyu den Bereich Sen Ki Do. Robert Geier, 6. Kyu, brilliert mit einer Hellebardenform und tritt gemeinsam mit Gabriele Freyberg zu einer Synchron- Langstock- Form an. Die Kendokas gehen mit Unterstützung von Dr. Christian Freyberg in Rüstung und zeigen diesen Vollkontaktsport mit Konzentration, Präzision und Energie. Die Kickboxer bieten noch einmal Techniken und Sparring. Dominik Unger, 1. Kyu führt mit scharfem Schwert die Iaido – Formen, ebenso mit scharfen Schwertern gehen die Kenjitsuka verstärkt durch das Ehepaar Freyberg in den stilisierten Zweikampf.

Besucher, die erst jetzt kommen, äußern sich glücklich darüber „doch noch nicht alles verpasst zu haben“ und genießen, dass die Mitglieder durchaus mehrmals Einblick in Ihren Stil geben. Gäste, die gebannt seit früh im NIBUKAI verweilen, freuen sich, dass es zu keinen nennenswerten Wiederholungen kommt, da die einzelnen Kampfkünste in sich schon eine große Vielfalt enthalten.

Gabriele Freyberg, die durch diesen Tag führt und die Darbietungen kommentiert, kündigt nun das Nahen des erklärten Höhepunktes an. Dominik Unger beginnt mit dem klassischen „Schnitttest“ mit dem Schwert. Eine gerollte Reisstrohmatte wird an einer Schnur hängend auf Kopfhöhe gezogen. Mit verschiedenen Schnitttechniken durchteilt Dominik die Matte.

Nicht jeder Schnitt gelingt auf Anhieb, so wie nicht jedes Brett beim ersten Versuch durchstoßen ist. Die Akteure sind natürlich unglücklich darüber, aber, so versichert Gabriele Freyberg, zeigt es doch einmal mehr, dass wie es hier mit echten Menschen und richtigem Material zu tun haben. Es heiße ja nicht umsonst Bruchtest und nicht Bruchgarantie. Die Zuschauer honorieren jeden Versuch mit unterstützendem Applaus und jede gelungene Übung mit großem Zuspruch.

Endlich ist es soweit: Großmeister Ben Stumpf betritt die Matten. Mit scharfem Schwert durchschlägt er kraftvoll eine hängende Reisstrohmatte und zerteilt anschließend eine Honigmelone, die im Nacken seiner Frau Andrea liegt und nur leicht von Gabriele Freyberg gehalten wird. Atemlose Stille und großer Applaus würdigen diese Leistung und jedem im Raum ist klar, dass bei einem Unkundigeren sowohl das Leben von Andrea Stumpf, als auch die Finger von Gabriele Freyberg in Gefahr gewesen wären.

Da noch Zeit bleibt und es die Mitglieder weiterhin drängt, ihr Können zu präsentieren, folgen weitere Aufführungen der bereits erlebten Stile, so dass um 17:00 Uhr atemlos dieser Tag beschlossen wird. Mit großem Dank an alle Akteure auch im Hintergrund und an die Zuschauer für Ihr Interesse beendet das NIBUKAI den heutigen Geburtstag und lädt herzlich ein, selbst in die Welt der Kampfkünste zu tauchen und zu den Öffnungszeiten einfach mal mitzumachen und zu probieren.